Leider viel zu wenig beachtet und diskutiert an diesem Freitagabend bei der Mitgliederversammlung von Fachinnung und Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar ist der 90-sekündige neue Imagefilm, der die Aktivitäten und Leistungen des Verbandes geradezu lässig und ungezwungen auf den Punkt bringt. Dass es auch der erste Bewegtbild-Imagefilm für den Verband ist, macht die Geschichte noch besser.
Zu sehen sind – in unhektischen Schnitten und klugen Überblendungen – Botschaften wie „Gemeinsam Zukunft gestalten“ oder „Wir sind Ihr Netzwerk für starke Verbindungen und echte Perspektiven“. Auch „Wir schaffen Chancen, bündeln Kompetenzen – für Betriebe, Nachwuchs und alle, die Zukunft gestalten wollen“ trifft den richtigen Ton zur rechten Zeit. Es wird so um neue Mitglieder geworben und ganz unaufdringlich auf die Vorzüge der traditionellen Verbandsgemeinschaft hingewiesen.
Das war ein Auftakt nach Maß, dem gut zwei Stunden später ein würdiger Abschluss folgen wird. Dazwischen: gute Zahlen, wahre Worte – und nur ein paar Infos zu viel. Aber der Reihe nach. Verbandschef Peter Dincher spricht in seinen wohlgewählten Begrüßungsworten, die auch seine beiden Vorgängern Edgar Arendt und Karl Friedrich Hodapp kopfnickend gutheißen, von einer „zunehmenden Unübersichtlichkeit“, die die saarländische Wirtschaft zu lähmen beginnt, von einer „permanenten Verschlimmbesserung“ der ohnehin schon nicht einfachen Rahmenbedingungen für Wohnhandwerker-Betriebe und rät zu einem Blick nach Argentinien.
Dort hat bekanntlich der schroffe Radikalreformer Javier Milei dem dauerdahinsiechenden Krisenland überraschende Erfolge bei Inflation, Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung beschert – und damit einen überraschenden Aufschwung. Der Ökonom und Politiker gilt zugleich als ultralibertär, ultrakonservativ und rechtspopulistisch. Peter Dincher meint, dass der bislang letzte ernstzunehmende Reformer in Deutschland Gerhard Schröder war – was alles sagt. Die eindringliche Bitte des Landesinnungsmeister und Verbandsvorsitzenden an die Kollegen: „Nicht klagen, handeln!“
Eine Steilvorlage für den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes, Hans-Ulrich Thalhofer, der ein verbales Feuerwerk in Sachen Optimismus abbrennt, freilich ohne den Blick für die schwierigen Rahmenbedingungen zu verlieren: „Ja, die Zeiten sind herausfordernd und wir erleben Frust statt Reformen. Dennoch müssen gerade die Handwerker die Fahne der Produktivität hochhalten“, sagt der studierte Forstingenieur, der zum Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer aufsteigen soll. Gute Wahl, weil dann endlich wieder ein Saarländer dieses wichtige Amt innehat. Großer Applaus für den Neuen bei der HWK.
Auch Peter Bruxmeier, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Holz und Kunststoff Saar, kann hernach mit seinem Bericht zur Entwicklung von Innung und Verband und im Übrigen mit positiven Jahresrechnungen 2025 und den Haushaltsplänen 2026 von Innung und Verband überzeugen. Eine Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung ist nach dem Bericht der Kassenprüfer nur noch Formsache. Diesen trägt Schreinermeister Christian Wagner aus Ormesheim vor, zu seinem Stellvertreter wird Jan Bickelmann von der Versammlung gewählt.
Dann folgt Tagesordnungspunkt sechs, der sich leider als Stimmungskiller entpuppt. Die Berufsgenossenschaft hat einen Vortrag zur Novelle der „Gefahrstoffverordnung (2024/25) – Asbestgefährdung in Betrieben und auf Baustellen – Auswirkungen bei Tätigkeiten im Handwerk“ vorbereitet. Leider wird dieser an diesem Freitagabend zu vorgerückter Stunde viel zu zäh, langatmig und detailreich präsentiert. Statt der geplanten Viertelstunde langweilt eine Gähn-Dreiviertelstunde zum eigentlich wichtigen Thema.
Die anschließenden Ehrungen bringen Stimmungsumschwung, Versammlungsende und die Vorfreude auf Wein und Buffet näher. Zuvor allerdings – und da schließt sich der Kreis – tritt Tobias Scheid ans Rednerpult und hält einen angemessen kurzen und kurzweiligen Vortrag zu seiner KI-Anwendung AutoTB, die für Automatisierung von Bautagesberichten steht: „Schluss mit Papierkram. Voller Fokus auf die Baustelle“, so der junge Mann aus St. Wendel, der mit seiner Erfindung vielen Handwerkern das Leben erleichtern wird. „AutoTB Pro ist Ihr digitaler Assistent, der Bautagesberichte per Spracheingabe erstellt. Sparen Sie täglich Stunden bei der Dokumentation und steigern Sie die Effizienz Ihrer Projekte. So gelingt die nahtlose Automatisierung von Bautagesberichten“, sagt der Geschäftsführer von „Qoffee.ai“, einem (noch) kleinen Unternehmen mit großem Potenzial.
Info
Seifenkistenrennen mit saarländischer Politprominenz
Am Freitag, 4. September, werden die steilen Zufahrtswege nach Von der Heydt zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Seifenkistenrennens – veranstaltet von der Handwerkskammer des Saarlandes und der Schreinerinnung im Wirtschaftsverband Holz und Kunststoff Saar. Es ist die Abschlussveranstaltung eines Projektes zur Nachwuchsgewinnung im Handwerk. In dessen Rahmen bauen zwölf Schülerinnen und Schüler der Willi-Graf-Realschule Saarbrücken in Vierergruppen insgesamt vier Seifenkisten. Wirtschaftsminister Jürgen Barke und der stellvertretende HWK-Hauptgeschäftsführer Hans-Ulrich Thalhofer fahren im Wettstreit mit den Schülern. Bewertet werden Kategorien wie die schnellste Zeit, die kreativste Kiste und das beste Kostüm.